CHANG HON HYONG

die Übungsformen der KWON Kampfkunstschule

Übersicht der zwanzig Übungsformen, die in der KWON Kampfkunstschule gelehrt werden

Definition

Die Hyong1) ist eine exakt festgelegte Übungsfolge stilisierter Bewegungen des Angriffs und der Verteidigung.

In der traditionellen Taekwon-Do Kampfkunst existieren 20 dieser Übungsformen.
Die Namensgeber der einzelnen Hyong sind zumeist verdiente Persönlichkeiten Koreas. Im Laufdiagramm, in der Gesamtzahl der Bewegungen und sogar in einzelnen Techniken finden sich oft symbolische Hinweise2) auf geschichtliche Hintergründe.

Die zwanzig Chang-Hon2a) Hyong stellen das älteste Formensystem im Taekwondo dar2b). Sie wurden unter der Federführung des 2-Sterne Generals und Botschafter Choi, Hong-Hi zwischen 1955 und 1964 entwickelt.

1) Das Wort Hyong (andere Schreibweisen: Hyung, Hyeung) entspricht der koreanischen Aussprache des Hanja-Zeichens für Kata. Kata wird ganz allgemein in der japanischen Kultur verwendet, um einen perfekten Zustand zu beschreiben, etwa ein ideales äußeres Bild oder eine ideale Handlungsabfolge. Dieser Begriff findet sich im Karate ebenso wie in der traditionellen Teezeremonie oder dem Ikebana Blumenstecken. 

2) Die Chang-Hon Hyong enthalten eine Vielzahl von Symbolen mit Hinweis auf die koreanische Geschichte und Kultur oder allgemein auf fernöstliche Philosophien. Die erste Form im Lehrplan, Chon-Ji (Himmel und Erde), stellt beispielsweise die daoistische Philosophie der Gegensätze in Vordergrund. Dieser Dualismus findet sich auch im Ablauf der Form wieder. Die zweite Form Dan-Gun verweist auf den legendären Gründervater von Korea. Die dritte Form Tosan stellt zwei für das koreanische Volk elementare Themen in den Vordergrund: die Bildung und die Befreiung von Unterdrückern. Als Namensgeber der Formen dienen in fast allen Fällen koreanische Persönlichkeiten, die sich durch Patriotismus und Loyalität zum Vaterland verdient gemacht haben. Die Schrittdiagramme, also die Grundlinien der Formen (kor.: Yon Moo Son | jap.: Embusen) stellen in vielen Fällen ein Schriftzeichen oder ein Symbol dar, das auf die zugehörige Hintergrundgeschichte verweist. Die Anzahl ihrer Bewegungen enthält oft numerische Verweise wie etwa einen Breitengrad, eine Jahreszahl, das Todesalter des Namensgebers o.ä. Und zuletzt haben sogar einzelnen Bewegungen Symbolcharakter: endet eine Hyong mit einem Angriff mit der linken Hand, weist dies z.B. auf den zu frühen Tod ihres Namensgebers hin, noch bevor dieser sein volles Potential entfalten konnte (vgl. Chungmu und Chung-Jang).

2a) andere Schreibweisen: 창헌, Chang Hun, Chang ´On, übersetzt.: „blue cottage“, „blaue Hütte“. Chang-Hon war das Pseudonym von Choi, Hong-Hi als Kalligraph.

2b) Derzeit gibt es drei relevante Formensystemen im Taekwon-Do: Die HYONG in den Verbänden des traditionellen Taekwon-Do, die TUL-Formen der International Taekwon-Do Federation (ITF) und die POOMSAE der World Taekwondo Federation (WTF).

Die TUL-Formen der International Taekwon-Do Federation (ITF) stellen dabei eine Fortentwicklung der Chang-Hon Hyong dar. In der Zeit von 1968 bis 1983 wurden 5 weitere Formen geschaffen und eine der älteren Hyong (Kodang) aus dem Curriculum entfernt, um auf eine Gesamtzahl von 24 Formen zu kommen. Die 20 Tul, die aus den Chang-Hon Hyong übernommen wurden, haben mit Ausnahme der Form Tong-Il nur einige wenige Änderungen in Einzelbewegungen erfahren. Prägnater unterscheiden sich die TUL von den HYONG durch ihre Laufart mit der sog. "Sinuswelle" (vergleiche hierzu weiter unten).

Das in der World Taekwondo Federation (WTF) gebräuchliche Poomse (Pumsae, Poomsae) Formensystem verfügt über 17 Formen, unterteilt in „Taegeuk“ (Nummer 1 bis 8 für die Schülergrade) und „Yudanja“ (Nummer 9 bis 17 für die Meistergrade). Die Taegeuk Farbgurtformen ersetzen seit 1971 ihre unmittelbaren Vorläufer, die acht Palgwae Formen von 1967. Im Unterschied zu den Hyong sind die Poomse weniger auf die Ausbildung von Techniken der Selbstverteidigung ausgelegt sondern setzen den Fokus auf Bewegungen, wie sie im Wettkampf verwendet werden. Dies zeigt sich im Vergleich zu den Hyong in den hohen Ständen und kürzeren Ausholbewegungen und weniger kräftigen Armtechniken.

Daneben existieren noch eine Reihe zusätzlicher Formen, die exklusiv von einzelnen Großmeistern für ihre eigenen Schulen entwickelt wurden. Dazu gehören insbesondere die von Großmeister Park Jung Tae geschaffenen 6 Formen Jee-Sang, Dhan-Goon, Jee-Goo, Jook-Am, Pyong-Hwa and Sun-Duk. Er entwickelte diese nach der Gründung seiner Global Taekwon-Do Federation (GFT) ab 1990, wo sie neben den 24 TUL-Formen der ITF geübt werden.
Großmeister Son Jong-Ho ergänzte die 20 traditionellen Hyong in seinem Classic Tae Kwon Do Verbands um die Formen Chung-Hee Hyong (54 Bew., 1995), Go Un Hyong (81 Bew., 1999), U-Nam Hyong (129 Bew., 2002), Yon-Gye-So-Mun Hyong (99 Bew., 2005), Chung-Hee Hyong - Teil 2 (77 Bew. 2009), Un-Ki Hyong (108 Bewegungen, 2010)
Ein komplett eigenständiges System mit den 18 sog. Songahm Formen entwickelte H.U. Lee für die American Taekwondo Association (ATA). Die Formen der Weltverbände ITF und WTF werden dort nicht unterrichtet.

Trainingsziele der Hyong

Während der Bewegungskunst und der Ästhetik in der Selbstverteidigung und im Kampf kaum Platz eingeräumt werden kann,
bieten die Formen genau diesen Aspekten ein Forum:

„Das Üben der Formen ermöglicht es dem Lernenden, sich durch eine Serie von Grundtechniken zu arbeiten und dabei Körpergefühl und Balance zu schulen. Daneben schulen die Hyong die richtige Gewichtsverlagerung und Hüftbewegung bei den Positionswechseln sowie die Atmung, den Rhythmus, die Flüssigkeit der Bewegung und im Zusammenspiel all dieser Dinge die Ästhetik.“
Vater des traditionellen Taekwon-Do General Choi, Hong-Hi (1918-2002)

1955-1964 | die Entwicklung der ursprünglichen zwanzig Formen

Die ursprünglich zwanzig Chang Hon3) Übungs­formen wurden unter der Federführung des damaligen 2-Sterne Generals Choi Hong Hi in den Jahren 1955 bis 1959 und 1961 bis 1964 entwickelt. Dabei bediente er sich der Hilfe von Meistern der militärischen Oh-Do-Kwan Kampfkunstschule.4)  Es ist davon auszu­gehen, dass die Assistenten einigen Einfluss auf die technischen Ausgestaltung der Formen nahmen. Vor der Entwicklung der Chang-Hon Hyong übte man in Korea vielerorts "Kata", die Formen des Karate. Diese hatten ihre Herkunft in Okinawa und Japan.5) General Choi ließ sich bei der Entwicklung der Chang-Hon Formen stark von diesen teils sehr alten Übungsformen inspirieren, so dass ganze Bewegungsstränge daraus nahezu unverändert Eingang in verschiedenen Hyong fanden.6)

Im Jahre 1965 publizierte Choi schließlich das erste TAEKWON-DO Lehrbuch in englischer Sprache (Daeha Publication Company). Darin wurden bereits alle zwanzig ursprünglichen Übungsformen aufgeführt. Die erstmalige Verrbeitung dieses Lehrbuchs auf der Demonstrationsreise des berühmten Good-Will-Teams im Westen gilt als Startschuss des weltweiten Siegeszugs dieser Kampfkunst.

  • 1955

    Hwa-Rang
    Nam, Tae-Hi Han, Cha-Kyo
    JEJU ISLAND
  • 1955

    Chung-Mu
    Nam, Tae-Hi
    JEJU ISLAND
  • 1957

    Ul-Ji
    Han, Cha-Kyo
    JEJU ISLAND
  • 1958-1959

    Sam-Il
    Park Won Ha
    JEJU ISLAND
  • 1958-1959

    U-Nam 7)
    n.a.
    JEJU ISLAND
  • 1961

    Gae-Baek
    C.K. Choi (Choi Chang Keun)
    Korean Army Training Centre
  • 1962-1964

    die 15 weiteren Formen 7a)

    MALAYSIA
    Kim Bok Man und Woo Jae Lim

3) In der Literatur manchmal auch als Chon-Ji Formensystem bezeichnet

4) Oh Do Kwan ("Schule meines Wegs") war der Name der Lehrmethode von General Choi, mit der damals seine Soldaten trainiert wurden. Durch die Verbreitung in der Armee konnte sich diese Stilrichtung landesweit schnell durchsetzen - und damit auch das zugehörige Formensystem der Hyong.

5) in den ersten Ausgaben seines Lehrbuches TAEKWON-DO führt General Choi noch einige Shotokan Kata auf

6) populärstes Beispiel: Won-Hyo Hyong, die viele Parallelen zu Kata Heian Nidan / Pinan Shodan aufweist

7) Erst im August 2013 wurde von Historikern die „vergessene“ Hyong U-Nam wiederentdeckt. Sie besteht aus 42 Bewegungen und wurde 1959 zu Ehren des damaligen Präsidenten Rhee, Seung Man entworfen (U-Nam war dessen Pseudonym). Nach dessen unfreiwilligen Rücktritt im Jahre 1961 durch einen coup d´etat wurde die Hyong wieder verworfen. Darin enthaltene Bewegungselemente fanden jedoch in späteren Formen Verwendung, hauptsächlich in der Choong-Jang Hyong. Unam wurde etwa zeitgleich mit der Sam Il Hyong entwickelt. Sie ist jedoch nur in der koreanischen Ausgabe des Buches „Taekwon-Do Teaching Manual“ von Oktober 1959 dokumentiert. Dieses Buch enthält die ersten fünf entwickelten Formen Hwarang, Chungmu, Ulji, Samil und Unam. In den späteren Ausgaben dieses Buches findet sich kein Hinweis mehr auf letztere Form.

7a) In seiner Zeit als Botschafter in Malaysia komplettierte Choi, Hong-Hi das Chang-Hon Formensystem. Über die genaue Enstehungsreihenfolge der dort entstandenen 15 Hyong ist bis dato nichts bekannt. Als Assistenten bei der Entwicklung werden Kim Bok Man und Woo Jae Lim genannt.

1955 | Entwicklung der ersten Übungsform auf der Insel Jeju

Die chronologisch erste Form, die General Choi zusammen mit Col. Nam, Tae-Hi und Sgt. Han, Cha-Kyo entwickelte, war die Hwarang Hyong.
(Anm.: die Formen wurden nicht in der Reihenfolge des heute geltenden Lehrplans entworfen, der erst später festgelegt wurde).
Nam, Tae-Hi war einer der loyalsten Gefolgsleute von Gen. Choi. Beide lernten sich 1953 auf dem Militärstützpunkt der Insel Jeju kennen, die zwischen Südkorea, China und Japan liegt. General Choi ernannte Nam zum Chefausbilder seiner militärischen Nahkampfschule "Oh Do Kwan" (übers.: Schule meines Wegs), die für die körperliche Ausbildung der Soldaten verantwortlich war. Es war auch Nam, Tae-Hi, der 1954 als Mitglied eines militärischen Demoteams den damaligen Präsidenten Seung Man Rhee mit einem spektakulären Bruchtest so begeisterte, dass dieser unverzüglich die Ausbildung der Soldaten in dieser Kunst staatlich anordnete.8) Auf Jeju wurde somit zwischen 1955 und 1959 der Grundstein für das heutige Taekwon-Do gelegt. Die Insel gilt daher als Geburtsort und Wiege dieser Kampfkunst.

Choi arbeitete in diese Form einige symbolische Hinweise auf die Zeit und Umstände ihrer Entstehung ein. Die 29 Bewegungen der Hyong beziehen sich auf die 29. Infanterie Division, die General Choi Hong Hi zum damaligen Zeitpunkt befehligte. In dieser Einheit wurde unter dem Kommando von General Choi die Entwicklung des Taekwon-Do stark vorangetrieben.9)

Das Wappen der 29. Division stellt eine Faust über den Umrissen der koreanischen Halbinsel dar, weshalb diese Einheit auch den Beinamen "die Faust-Division" bekam. Choi wählte diese Darstellung als Symbol für den Wunsch der Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea. Die erste Bewegung der Form, der schiebende Block, symbolisiert die Teilung Koreas, während der Fauststoß in Bewegung Nummer 8 für die Faust im Wappen der 29. Division steht.

Der Kreis schließt sich mit der letzten Hyong Tong-Il (übers.: eine Rasse), die der Wiedervereinigung des gespaltenen Landes gewidmet ist.

8) Nam, Tae-Hi wurde nach seiner Zeit auf Jeju im Jahre 1963 während des Vietnamkriegs als Nahkampfausbilder an die Süd-Vietnamesische Armee entsandt. Im Vietnamkrieg waren die südkoreanischen Streitkräfte aufgrund Ihrer Kampfkunstausbildung derart gefürchtet, dass sich niemand auf einen unbewaffneten Kampf mit ihnen einließ. Zu dieser Zeit wurde das Taekwon-Do also hauptsächlich für den kriegerischen Einsatz unterrichtet, authentisch und für den konkreten Anwendungsfall. Der heute hervorgehobene Wert der Kampfkunst für die Gesundheit, die Selbstfindung und Charakterformung wurde erst später entdeckt und gefördert.

9) In September of 1953, General Baek Sun Yuh, the Chief of Staff of the Korean Army, asked General Choi to create the 28th Division. Choi asked General Baek if this would be the last division created during the war? General Baek replied that one more division would be created in a few months. Choi asked Baek if he could create the last division, the 29th Infantry Division, and General Baek granted the request. General Choi organised and activated the 29th Infantry Division at Cheju Island off the South Korean coast. The division eventually became the spearhead of Taekkyon in the military. The first thing General Choi did was to create a distinctive division flag. On the flag, the number two of the number 29 symbolised the divided Korean peninsula. The number nine symbolised a fist. The flag he thus was a fist over the Korean peninsula. After seeing the flag, people gave the 29th the nickname, "The Fist Division" or "Ik Keu Division" and later "The Taekwondo Division." General Choi's second task was to choose the division's command staff. To assist him in training the troop in military drills, he enlisted the aid of Colonel Ha Chung Kab and Lieutenant Colonel Kim Hwang Mok. He also recruited Master Nam Tae Hi and Master Nam Cha Kyo, both from Chung Do Kwan (Gym of the Blue Wave) to help him to train the soldiers in Tangsoodo. Although Choi still called the martial art Tangsoodo, the characteristic and quality of the techniques were now far different from the karate that he had practiced in Japan. A combination of Korean Taekkyon and Japanese Shotokan and Tang-soo formed the basis of his teachings, but at this point his art was much different from these arts. To his officers and Tangsoodo instructors, he gave very specific orders. "When the soldiers train in Tangsoodo, everyone has to bow to the instructors, regardless of military rank. Outside of the gym, salutations go according to military rank." The combination of military drills and Tangsoodo practice made this division unique among other division in the Korean Army; they were ready to fight with or without weapons. The 29th Infantry Division was a crowning achievement for the General in his military career. It also acted as the nursery for his unique style of martial art, fused and developed from its historical roots. It also must have reminded him of the original elite fighting force and protector of the Korean Peninsula, the Hwa-Rang youth group. As such it held a special place in his heart, leading him to formulate the Hwa-Rang Tul with 29 movements.

die militärischen Formen von 1955-1961 im Vergleich zu den Formen von 1962-1964

Der Fokus auf die zuvor beschriebene militärische Anwendung haftet den ersten in der Zeit von 1955-1961 entwickelten Hyong deutlich an. Die frühen Hyong Hwarang, Chungmu, Ul-Ji, Sam-Il, Gae-baek und auch die "verschollene" Unam10) sind auf eine Körperhälfte fokussiert, sie stärken in der Hauptsache die rechte Seite. Der Grund dafür war, dass man möglichst schnell möglichst schlagkräftige Soldaten ausbilden wollte.

Den "Luxus" eines ausgewogenen und gesünderen Trainings beider Körperhälften konnte man sich in der Zeit kriegerischer Auseinandersetzungen (noch) nicht leisten. Diesen Gedanke verfolgte General Choi erst in seiner Zeit von 1962-1964 als Botschafter in Malaysia. Als er dort die 15 weiteren Hyong entwickelte, war seine militärische Karriere bereits beendet. Diese Formen sind deutlich auf ein ausgewogenes Üben der linken und rechten Körperseite hin ausgelegt, indem sie spiegelbildlich entworfen wurden, d.h. die Bewegungen werden auf beiden Seiten gleichermaßen ausgeführt.
10) Die Bewegungen der Unam Hyong (s.o. 7) fanden im den ersten Teil der Chung-Jang Hyong Verwendung. Dieser ist ebenfalls einseitig geprägt.
Erst im zweiten Teil ist die Chung-Jang Hyong dann wieder spiegelbildlich aufgebaut.

1968 | Entwicklung weiterer Formen unter Choi, Hong-Hi

1968 wurde das bisherigen System mit zwanzig Formen erweitert. Vier weitere Formen wurden entwickelt, um auf die Gesamtzahl von 24 zu kommen, in Anlehnung an die Stunden eines Tages. Diese vier weiteren Übungsformen wurden jedoch von vielen im Ausland etablierten koreanischen Großmeistern nicht mehr in ihr Lehrsystem übernommen.

  • 1968

    Eui-Am
    Cho, Sang-Min
  • 1968

    Moon-Moo
    J.C. Kim
  • 1968

    Yon-Gae
    Park, Jong-Soo
  • 1968

    Sosan
    Lee, Byung Moo

1975 | Begriffsänderung "Hyong" in "Tul"

um 1975 entschied sich Choi, Hong-Hi für einen Begriffswechsel in der Bezeichnung seiner Übungsformen. Den bis dahin gängigen Begriff „Hyong“ verwarf er zugunsten der Bezeichnung „Tul“ (틀). Ein Grund war wohl die Herkunft des Begriffes „Hyong“. Bei dem Wort „Hyong“ handelt es sich um die koreanische Aussprache des Hanja-Zeichens für „KATA“, wie es im Karate verwendet wird. Das Wort „Kata“ wird in der japanischen Kultur ganz allgemein verwendet, um einen „perfekten Zustand“, ein ideales äußeres Bild oder eine ideale Handlungsabfolge zu beschreiben. Dieser Begriff findet sich neben dem Karate daher beispielsweise auch bei der Teezeremonie oder dem Anfertigen von Blumengestecken. Demgegenüber ist „Tul“ ein rein koreanisches Wort. Dies dürfte Choi, Hong-Hi entgegengekommen sein, da er bestrebt war, eine original koreanische Kampfkunst zu etablieren. Hinweise auf andere Kampfkünste wie eben dem Karate wollte er so gut es geht unterbinden. Des weiteren ist die Begriffsbedeutung des Wortes „Tul“ eine andere. „Tul“ bedeutet übersetzt „Muster“, „Schablone“. Es wird berichtet, dass Choi, Hong-Hi den Begriff der „Hyong“ irreführend hielt, weil der Ausführende ja durchaus im einem guten Trainingszustand sein könne ohne dabei aber seine Übungsform zu beherrschen. Vereinfacht gesagt: „Gut in Form“ sein heißt nicht automatisch, auch eine gute Übungsform abliefern zu können. Gleichwohl haben die meisten traditionell ausgerichtete Verbände den Begriff „Hyong“ beibehalten, insbesondere diejenigen, die ohnehin bei dem ursprünglichen System der 20 Formen geblieben sind.

1983 | Einführung der Sinuswelle und Auswechseln einer Übungsform

Nach einer Reise nach Nordkorea Anfang der Achtziger Jahre war Choi, Hong-Hi daran gelegen, „sein“ Taekwon-Do auch dort zu verbreiten. Daher widmete er eine weiter Übungsform namens „Juche“ 11). Um bei der Gesamtzahl von 24 bleiben zu können, musste die Übungsform „Ko-Dang“ weichen und wurde vom offiziellen Lehrplan gestrichen.

Ebenfalls im Jahre 1983 führte Choi, Hong-Hi auf einem Seminar in Derby, England die sogenannte „Sinuswelle“ 12) für die Formen ein. Die Art und Weise, wie die Formen nun nach seinem Willen gelaufen werden sollten unterschied sich erheblich von der früheren, klassischen Methode „ohne Welle“. Bis zur Einführung der Sinuswelle orientierte man sich bei der Ausführung der Bewegungen an den direkten und schnellen Bewegungen wie man sie schon von den japanischen Karate-Kata her kannte (siehe oben bei Entwicklung). An der klassischen Methode halten viele Verbände weiterhin fest, meist diejenigen, die auch bei dem System der zwanzig Chang-Hon Formen geblieben sind und auch den Namen „Hyong“ beibehalten haben. „Tul“ steht somit im Sprachgebrauch des Taekwon-Do faktisch gleichbedeutend mit der Ausführung der Sinuswelle.

  • 1983

    Juche

    Park, Jung-Tae,
    Choi, Jung-Hwa 13),
    Michael McCormack 14),
    Lim, Won-Sup

11) Juche ist ein Begriff, der eng mit der kommunistischen Ideologie Nordkoreas in Verbindung steht. Nach dem Tod von General Choi, Hong-Hi wurde der Name der Form geändert, da sich die Präsidenten einzelner ITF-Verbände nicht mehr mit dem nordkoreanischen Regime in Zusammenhang bringen wollten. Die Form trägt daher heute oft einen anderen Namen, etwa „Ko-Dang“ oder „Chang-Hon“
12) eine Art Wippbewegung, die einen besonderen Kraftfluss ermöglichen soll
13) der Sohn von Choi, Hong-Hi
14) Schwiegersohn von Choi, Hong-Hi

KWON Kampfkunstschule

Regensburger Straße 145, 85055 Ingolstadt

geöffnet: Mo-Fr 16.45-21.45 | So 17.45-20.00

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