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Was ist Respekt?

Respekt definiert man schon lange nicht mehr einseitig. Der alte Begriff des Respekts, der den Respekt vor Autoritäten meint, ist überholt. Diese Welt des hierarchischen Respekts ging einseitig davon aus, dass man vor gewissen Personen zu jeder Zeit Respekt haben müsse. Das eigene Verhalten dieser Person spielte dabei keine große Rolle, nur ihr Titel (Pfarrer, Bürgermeister, Doktor,...) war entscheidend. Respekt wird heute aber nicht mehr dazu verwendet, eine Herrschaftsform zementieren.

Das heutige Verständnis von Respekt beruht auf Gegenseitigkeit.

Respekt möchte heute sicherstellen, dass der eigene Lebensentwurf von anderen akzeptiert wird. Respekt bedeutet, gegenseitig Toleranz walten zu lassen. Niemand soll durch das Verhalten des anderen bloßgestellt werden. Setzt man das selbst um, darf man auch erwarten, dass es einem der andere gleichtut. Beim heutigen Verständnis von Respekt geht es also um Aufmerksamkeit für andere und ein Verhalten auf Augenhöhe.

wie äußert sich Respekt?

Es gibt in unserer Gesellschaft ritualisierte Formen des Respekts, die automatisiert ablaufen, wenn sie frühzeitig eingeübt werden. Dazu gehört das gegenseitige Grüßen, das Türaufhalten für einen Nachfolgenden, das Aushelfen bei kleinen Nöten des Alltags. Es ist wichtig, dass diese "Rituale" über die Erziehung und von Personen mit Vorbild­charakter vorgelebt werden, denn Sie sind wichtige Stützpfeiler für das harmonische Zusam­menleben in einer Gesellschaft. Auch wenn dieses rituelle Respekt­verhalten oft ohne bewusstes Nachdenken erfolgt, wirkt es doch auf den Handelnden ein, da es ihn fortwährend an seine Menschlichkeit erinnert.

Die einfachste Form des Respekts ist das Grüßen

Eine Atmosphäre des Respekts lässt sich schon ganz banal herstellen, wenn in einer Gesellschaft oder Gemeinschaft jeder jeden grüßt. Das Grüßen ist ein zur-Kenntnis-Nehmen des anderen, als wolle man sagen „wir leben in einer gemeinsamen Welt“. Im Umkehrschluss, ist ein bewusstes Nicht-Grüßen eine Art, der Person den Respekt zu entziehen.

„Bei uns wird gegrüßt!“

Daher sollte gerade eine Schule wie die unsere, die für Wertevermittlung steht, immer auch eine "Grußgemeinschaft" sein: jeder verdient es dort ganz unabhängig von seinem jeweiligen Können und Wissen, die gegen­seitige Akzep­tanz zu erfahren und bewusst zur Kenntnis genommen zu werden. Vielfach geschieht das sogar per Handschlag.

Das rituelle Grüßen findet in den asiatisch geprägten Kampfkünsten zudem ohnehin vergleichweise oft statt mit dem gegenseitigen Verbeugen vor und nach den Übungen. Damit wird stillschweigend der Respekt und die Rücksichtnahme vor dem Partner symbolisiert.

Respektvoll im Unterricht

Eine wichtige Lehre für Heranwachsende ist es, zu begreifen, wo und wann man bestimmte Themen und Verhaltensweisen anbringen kann. Zuhause in der Familie etwa sollte jederzeit alles ansprechbar sein - im Schul­unterricht sind dagegen erst einmal nur fachspezifische Themen angebracht. Ja, das ganze Verhalten sollte der Schüler­rolle angepasst sein.

Im Unterricht und in der Lehre kann und soll der einzelne erst einmal gar nicht als ganze Person mit allen individuellen Ausprägungen und Facetten relevant sein - es kommt auf die Schülerrolle mit ihren entsprechenden Aufgaben an. Schließlich geht es in erster Linie darum, sich in einer Ausbildung spezifische Kenntnisse und Kompetenzen anzueignen.

Gleichzeitig bedeutet dies natürlich, sich individuell in manchen Momenten zurücknehmen zu müssen. Da im Unterricht ein Gruppenziel verfolgt wird, gebietet es der Respekt, niemanden abzulenken oder gegen die Gruppe oder das Unterrichtsziel zu arbeiten.

In letzter Konsequenz wird der Schüler gerade durch die Selbstdiziplin im Unterricht individuell noch einzigartiger und stärker, da er so die besten Ergebnisse für sich erzielen kann. Fokus­siertes Lernen fördert zudem das Durchhalte­vermögen und die Willensstärke.

Lehrer und Mitschüler

Die Aufgabe eines Lehrers ist es, den Schüler erfahren zu lassen, was ihn fordert, wie man weiter kommt und wie man Hindernisse überwindet. Genau diese Heraus­forderungen sind eine Art Bewährungsprobe für das Leben außerhalb der Schule.

Wenn sich ein Schüler freiwillig meldet und etwas vorführen will, möchte er sich aktiv am Unterricht beteiligen, etwas von sich beisteuern und sich sogar der Kritik durch den Lehrer und den Mitschülern stellen. Das ist eine mutige Leistung, der es mit Respekt zu begegnen gilt, sowohl seitens des Lehrers als auch der Mitschüler. Die Unterrichtsgestaltung muss deshalb darauf hinwirken, dass sich die Schüler trauen, ihre Fähigkeiten zu zeigen. In der Atmosphäre des Respekts wächst das Selbstvertrauen.

die 2 Regeln der KWON Kampfkunstschule

In unserer Schule gibt es keinen umfangreichen Regelkatalog, wie man ihn oft in anderen Kampfkunstschulen sieht. In diesen Regelwerken werden viele datailliert die DO´s und DON´Ts im Schulbetrieb aufgeführt. Wir hatten nie das Gefühl, das dies an unserer Schule wirklich notwendig wäre, denn wir glauben an gesunden Menschenverstand, Anstand und Respekts­empfinden. Für unsere Kinder hat es sich aber dennoch als hilfreich herausgestellt, zwei einfache Merkegeln an der Hand zu haben. Beide Sätze entspringen unmittelbar dem Respektverständnis.
Regel 1
"Immer sauber!"

Gemeint ist ein sauberes Verhalten und ein sauberes Erscheinungsbild.

Ist der Schüler aufmerksam? Legt er Müdigkeit oder Lustlosigkeit an den Tag? Sitzt der Anzug und der Gurt? Ist die Uniform sauber und gebügelt? Passt das an den Tag gelegte Verhalten zur Zielsetzung und Stimmung des Unterrichts?

Regel 2
"Keinem ein Problem machen!"

diese Regel bezieht sich auf das Verhalten den Mitschülern und dem Lehrer gegenüber.

Diese Regel ist verletzt, wenn andere beim Üben gestört werden, in der Partnerübung nicht nach besten Kräften mitgearbeitet wird, der Unterricht durch Zwischenrufe oder auffälliges Verhalten gestört wird.

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