KWON

Kampfkunstschule
DER LEHRSTIL
KWON MU KWAN

der Lehrstil der KWON Kampfkunstschule

Charakteristik

Der KWON MU KWAN Stil basiert auf der traditionellen Taekwon-Do Kampfkunst, wie sie 50 Jahre lang (1965-2015) von Meister Kwon, Jae-Hwa persönlich und unermüdlich in Deutschland gelehrt wurde. Diese Methode hat sich der Gesund­erhaltung von Körper und Geist verschrieben, man könnte auch sagen: dem Schutz der Gesundheit nach innen und aussen.

Claus Moos, Sabumnim

Das Kräftemessen zweier Kontahenten im Kontaktkampf lehnte Meister Kwon, Jae-Hwa aufgrund der Verletzungsgefahr stets ab. Überhaupt entspräche Wettkämpfe nicht der Natur einer Kampfkunst: der Kampfkünstler solle vielmehr sein Ego hinten anstellen und dem kontinuierlichen, bescheidenen und vor allem lebenslange Üben den Vorzug geben. Das kurzzeitige Glänzen als Sieger oder allzu prahlerische Selbstdarstellung seien keine erstrebenswerte Ziele. Kampfkunst müsse authentisch, vorbildlich und vor allem bescheiden praktiziert werden, so Meister Kwon.

die Disziplinen

Dem Prinzip der gewaltfreien Kampfkunst folgt auch der KWON MU KWAN Stil. Anstelle des im Kampfsport üblichen Sparrings mit Schutzausrüstung treten andere Disziplinen in den Fokus.

Das Üben von Bewegungskombinationen zur Verbesserung der Koordination und der technischen Fähigkeiten ist ein wesentlicher Bestandteil des Basistrainings (Gibon, Kihon). Hier kommt die vollen Bandbreite der Techniken zum Einsatz. Diese entstammen in der Hauptsache dem traditionellen Taekwondo, es finden sich wegen der engen Verwandtschaft aber auch viele Übungen aus den Okinawa Karate Stilen wieder.

In verschiedensten Partnerdrills und Kampfübungen (Einschrittkampf, Freikampf) werden die in der Grundschule gelernten Techniken schließlich der praktischen Übung unterzogen. Hierbei kommen auch weiterführende Methoden wie Hebel, Feger und Würfe zur Anwendung, die sich aus den Bewegungsmustern und Prinzipien der Grundschule ergeben. Dadurch werden Distanzgefühl und Timing, Reaktion und richtiges Abwehrverhalten vermittelt. Diese anwendungs­bezogenen Technik­inter­pretationen werden Bunkai (jap.) bzw. Eunyong (kor.) genannt.

Das Formensystem besteht aus zwanzig Übungsformen, den sogenannten Hyong. Das Erlernen dieser genau festgelegten Bewegungsabläufe schult das Körpergefühl und die Balance sowie die richtige Gewichtsverlagerung und Atmung. Weiterhin schulen sie die richtige Hüftbewegung bei den Positionswechseln, den Bewegungsrhythmus und die Flüssigkeit der Bewegung. Das Zusammenspiel all dieser Dinge hinterlässt beim Betrachter einen sehr ästhetischen Eindruck.

Der Bruchtest auf Holzbretter oder Steine schließlich wird nicht im Training geübt, sondern nur in Prüfungen und Vorführungen gezeigt. Damit werden die gelernten Techniken einer Wirksamkeits­prüfung unterzogen. Oft genug ist dies auch ein Test der Willensstärke des Ausführenden.

körperliche und
geistige Fitness

Ein wichtiger Bestandteil unseres Kampfkunst­trainings ist der Aufbau einer stabilen Fitness und Verletzungsresistenz.

Eine ausgeklügelte Funktions­gymnastik mit Anleihen aus dem Yoga und den "Natural Movement" Methoden sorgt dafür, dass die Gelenkstrukturen und Bindegewebsanteile der Muskeln (Faszien) vollständig mobilisiert und stabilisiert werden. Die gewonnene Beweglichkeit unterstützt insbesondere die Ausführung der Beintechniken, da größere Bewegungsradien möglich sind.

Übungen zur Verbesserung der Muskelqualität in Sachen Schnell- und Haltekraft sind ebenfalls sehr häufig im Training anzutreffen. Diese unterstützen die dynamische Ausführung der Schläge, Tritte und Sprünge. In diesen Übungen kommt zumeist auch die Ausdauerkomponente in Form von Kardiofitness zum Tragen.

Um die Kampfkunst zeitgemäß zu halten, entwickelt sich die KWON MU KWAN Stilrichtung permanent fort. So werden die aktuellsten Erkenntnissen der Sport­wissenschaft und Sportmedizin laufend in das Unterrichtsprogramm eingearbeitet. So bleibt die Methode ursprünglich und traditionell, orientiert sich aber an den aktuellen Gegebenheiten.

Selbst­verteidigung

vielleicht kein Meister,
aber meisterlich gelöst!
Der Schüler fragt seinen Meister: "Du lehrst mich das Kämpfen, redest aber immer nur vom Frieden. Wie passt das zusammen?" Darauf der Meister: "Ich bin lieber ein Krieger im Garten, als ein Gärtner im Krieg."
Verfasser unbekannt

Dieser Vers spiegelt die Geisteshaltung eines ausgebildeten Kampfkünstlers wider. Es gilt, die Kunst des Kampfes zu meistern, um in der Lage zu sein, einen Kampf abwenden zu können. Dazu ist es erforderlich, eine Gefahrensitutation unter Kontrolle halten zu können. Das ist nur möglich, wenn man über die nötige Besonnenheit und Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten verfügt.

Schon Platon wusste, das ein glückliches und friedliches Leben bedingt, "dass man weder Unrecht tut noch von anderen Unrecht erleidet." Platon (Nomoi / Gesetze VIII) [829 St.2 A]

Die subjektive Einstellung, in Frieden und "ohne Stress mit anderen" leben zu wollen, ist also die absolute Grund­voraus­setzung. Wird der Frieden jedoch ernsthaft durch Dritte von außen gefährdet, ist der eigene Wille oft nicht mehr ausreichend. Nach Platon ist es deshalb erforderlich, "soviel Macht zu erwerben, dass man sich gegen jedes Unrecht zu sichern vermag". Dies würde gelingen, indem "man selber vollkommen tüchtig dasteht". Dies ist die des friedvollen Kriegers. Diese Grundidee wurde später von Cicero, einem römischen Philosophen und Politiker (106-43 v.Chr.), aufgegriffen und führte zu dem bekannten Sprichwort „Wer den Frieden sucht, bereite den Krieg (vor).“

Auf den ersten Blick erscheint dieser Ausspruch offensiv, bedeutet aber gerade das Gegenteil. Es geht um das vorbeugende Element und die Möglichkeit, die Kontrolle in jeder Situation zu erhalten. Nur mit dieser Haltung ist das Streben eines Schülers der Kampfkunst nach mehr Kampfeskraft vertretbar. Die verbesserten Möglichkeiten im Falle einer körperlichen Auseinandersetzung sollen zuvorderst helfen, deeskalierend und abwiegelnd auf den Aggressor einwirken zu können. Nur wenn das nicht möglich ist, kommt die Anwendung der Kampfkunst überhaupt erst in Frage. 

Um dann in der Lage zu sein, die gefährliche Situation kampftechnisch zu beherrschen, müssen verschiedene Fähigkeiten gemeistert werden. Die Wahrnehmung zu allen Richtungen, das Distanzgefühl zum Angreifer und Einschätzen der Aktionsmöglichkeiten des Gegenüber sind nur einige davon. Und schließlich müssen die Methoden in Fleisch und Blut übergegangen sein, um einen Aggressor "ausbremsen" und nötigenfalls kampfunfähig machen zu können. Spezielle Partnerübungen, sogenannte Drills, sorgen dafür, dass die notwendigen Hebel, Block- und Kontertechniken ohne Nachzudenken augeführt werden können. Das Timing und die Reaktionsschnelligkeit sind hierbei von entscheidender Bedeutung. Mit diesen Übungen wird die Lücke zwischen der eleganten und von Körperbeher­rschung geprägten Kampfkunst und dem "echten Leben" geschlossen. Die Disziplin Selbstverteidigung mit dem koreanischen Namen Hosinsul ist für die traditionellen Kampfkünste daher von sehr großer Bedeutung.

innere Aspekte der Kampfkunst Übung

Während das Kampfkunst­training oft aus Gründen der Selbstverteidigung und Verbesserung der Fitness begonnen wird, sind es doch ganz andere Aspekte, die im Laufe der Jahre in Vordergrund treten.

Die Erfahrungen, die über das rein köperliche Betreiben der Kampfkunst hinausgehen, werden allgemein als DO bezeichnet. Gemeint sind damit die mittelbaren Auswirkungen des Trainings auf die Wahrnehmung der Umwelt und der eigenen Person.

Das DO selbst kann nicht gelehrt oder durch meditative Übungen im klassischen Sinne herbeigeführt werden. Angestoßen wird seine Entwicklung einzig und allein durch den Übenden selbst. Die in der Kampfkunst vermittelte Selbstdisziplin ruft zur dauerhaften Verbesserung der eigenen Person auf. Der Blick richtet sich auf die eigene Person, wodurch eigene Schwachstellen und Blockaden erkannt und bearbeitet werden können. Die Techniken der Kampfkunst stellen dabei das Hilfsinstrument dar:

Das konzentrierte Üben bringt Körper, Emotionen und Geist auf eine Wellenlänge. Die Konzentration richtet sich vollständig auf das gegenwärtige, eigene Tun. Dieser Vorgang wird von manchen als Meditation in Bewegung bezeichnet, weil ein ähnlicher, den Geist ausgleichender und gleichzeitig belebender Effekt erreicht wird. Außer dem Training selbst sind spezielle Meditation, Atemübungen oder spirituelle Praktiken daher nicht erforderlich, wenngleich sie für den Einzelnen natürlich individuell von zusätzlichem Nutzen sein können.

Die Entwicklung des DO ist höchst individuell geprägt und stellt sich für jeden Kampfkünstler anders und somit einzigartig dar. Im Fokus steht zunächst immer die Beziehung zu sich selbst. Die intensive Beschäftigung, das bewusste Auseinandersetzen mit der eigenen Person, verhilft zu einer realisti­schen Selbsteinschätzung. Abweichungen nach oben (Selbstüberschätzung, Arroganz) oder unten (Unsicherheit, mangelnde Selbstliebe) können so geglättet werden. Die in der Kampfkunst gebotene Bescheidenheit, das Durchhaltevermögen und das Gemeinschafts­gefühl stehen hier hilfreich zur Seite. Diese persönliche Entwicklung hinterlässt beim Übenden und seinem Umfeld den gravierendsten Eindruck.

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KRAFT

Kraft steht für das Training aller Eigenschaften, die einen starken Körper ausmachen: Muskelkraft, Schnellkraft, Haltekraft aber auch Kondition, Ausdauer und Durch­halte­vermögen

KONTROLLE

Kontrolle steht für die Körper­beherrschung, die geistige Beherrschtheit und das Beherrschen der Emotionen. Es steht auch für die Kontrolle schwieriger Umstände oder Gefahren­situationen.

KONZENTRATION

Konzentration steht für die geistigen Fähigkeiten der Kampfkunst: Fokussieren der jeweiligen Aufgabe, Zielstrebigkeit und Genauigkeit in der Ausführung.

das Schul­abzeichen

Das Abzeichen des KWON MU KWAN Stils findet sich auf den Anzügen aller Aktiven, die in dieser Methode ausgebildet werden. Dieses geschützte Abzeichen wird in der KWON Kampfkunst­schule verwendet sowie an allen weiteren Standorten, die befugt sind, in diesem Stil zu unterrichten. Das nüchtern gehaltene Emblem ist in Anlehnung an die Idee des Dualismus1) zweifarbig gehalten und enthält einen weiteren Hinweis auf die asiatische Philosophie2).

In der Mitte befindet sich das Schriftzeichen für das Wort KWON, dargestellt als Hangul Kalligraphie des koreanischen Künstlers Park Sang Oh aus Busan, Südkorea. KWON steht dabei zum einen für den Familiennamen von Großmeister Kwon, Jae-Hwa, dessen Lehre die Grundlage des unseres Stils bildet. Übersetzen lässt sich das Wort als "Faust" oder "Autorität". Die Namens­bestandteile MU KWAN heißen übersetzt Kampfkunstschule.


1) Die Philosophie des Dualismus ist in Asien weit verbreitet. Gemeint ist die notwendige Existenz und dem Zusammenspiel der Gegensätze und Gegenkräfte - ein Prinzip, das auch in der KWON MU KWAN Kampfkunst allgegenwärtig ist. So bedarf es zur perfekten Ausführung einer Technik sowohl einer Phase der ENTspannung (die lockere Aushol- und Schwungbewegung zum Erreichen größtmöglicher Geschwindigkeit), als auch der ENDspannung am Ende der Technik zum Erreichen größt­möglicher Kraft ("Kime", Fokus). Ein weiteres Beispiel ist das Zusammenwirken von geraden und kreisförmigen Bewegungen sind die verschiedenen Hebeltechniken, die in der Selbstverteidigung gelehrt werden.

2) Auf dem Abzeichen finden sich außerdem die vier Trigramme der südkoreanischen Fahne:

Geon (das Schöpferische, die Stärke, der Himmel oder der Vater),
Gon (das Empfangende, die Hingabe, die Erde oder die Mutter),
Li (das Haftende, das Feuer, die Sonne oder die 2. Tochter) und
Gam (das Abgründige, das Wasser, der Mond oder auch der 2. Sohn.

Dadurch ist zum einen die Verbindung hergestellt zu Südkorea, dem Ursprungsland des Taekwon-Do, als auch zu wesentlichen Elementen der fernöstlichen Philosophie des I-Ging (Buch der Wandlungen).

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